06. August 2017

 

Unterschätzte Süße

Häufig ist uns gar nicht bewusst, wie viel Zucker in unserem Essen und Getränken enthalten sind. Dies zeigt eine aktuelle wissenschaftliche Untersuchung des Max-Planck-Institus für Bildungsforschung in Zusammenarbeit mit der Universität Mannheim. Über 90 Prozent der Eltern unterschätzen den Zuckergehalt in einem handelsüblichen 250-Gramm-Fruchtjoghur. Im Schnitt gehen sie davon aus, dass er vier Zuckerwürfel enthält. Tatsächliche stecken elf in einem solchen Joghurtbecher. Die Studie legt weiter offen, dass diese Fehleinschätzung sich im Gesundheitszustand der Kinder bemerkbar macht: Je stärker die Eltern den Zuckergehalt unterschätzen, umso höher ist der Body-Maß-Index der Kinder.

Früher war Zucker ein kostbares Genussmittel, das auch als „weißes Gold“ bezeichnet wurde. Nur Adelige und wohlhabende Leute hatten Zugang zu Zucker. Heute ist das Gegenteil der Fall. Während um das Jahr 1850 noch weniger als 1 Kilogramm Zucker pro Person konsumiert wurden, isst jeder von uns heute durchschnittlich 36 Kilo Zucker pro Jahr. Zucker ist heute ständig für jeden verfügbar, denn er ist sehr billig und in den meisten industriell hergestellten Nahrungsmitteln in zu hohen Mengen enthalten. Das hat gravierende Folgen. Diabetes oder Herz-Kreislauf-Krankheiten, die durch Übergewicht ausgelöst werden, sind auf dem Vormarsch.

Der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbands, Martin Litsch, fordert daher von Politik und Lebensmittelindustrie deutlich mehr Anstrengungen zur wirksamen Zuckerreduktion: „Wir brauchen mehr Transparenz über versteckten Zucker… Aber die Lebensmittelindustrie sträubt sich seit Jahren gegen eine laienverständliche Lebensmittelkennzeichnung“. Unterdessen verarbeite sie weiter unnötig viel Zucker in den Produkten und werbe flächendeckend mit gezieltem Kindermarketing.

Um der Zuckerfalle zu entgehen, sollten wir daher weitestgehend auf industriell hergestellte Fertignahrungsmittel verzichten. Denn wenn wir unser Essen selber zubereiten, dann wissen wir auch was drinsteckt.